Fairy News

BY CORNELIA & MEINHARD
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  • Meinhard

Eine AlpenSage aus dem Soca Tal

Vorab muss ich sagen, dass ich folgende Sage nur so wiedergebe, wie ich sie auch gehört habe. Ein schöner Aspekt von Märchen und Sagen ist, dass sie, da sie früher vorrangig mündlich wiedergegeben wurden, immer wieder variieren und man fast nie zwei Mal die gleiche Sage hört.


In der nordslowenischen Sage des Zlatorog finden sich einige Aspekte, die auch auf einen klaren keltisch-schamanischen Hintergrund hinweisen.


Der Garten der Rojenice


Vor langer Zeit, an einem wunderschönen klaren Frühsommertag im Soca Tal, streifte ein junger, ambitionierter Jäger durch die Wälder und stieg immer höher und höher auf das Triglav Massiv. Mit der Zeit und den Schritten, die der Jäger setzte, wurden die Tannen, Fichten und Buchen immer weniger und der Anteil an Kiefern stieg – und mit ihm sank auch die Dichte der Bäume.


Triglav

Das Singen der Vögel wurde weniger und bald waren nur noch weit entfernt ein Adler, der die Thermik nutzte um hoch zu steigen und ein paar Dohlen zu sehen, die den Waidmann begleiteten, in der Hoffnung, sie würden ein Stück Brot ergattern, wenn er sich labte.

Das Gewehr auf der Schulter hängend stieg er den Felsvorsprung an, hinter dem er nun das karge Einödland erwartete, das auftauchte, nachdem die Latschen auch immer weniger wurden.


Und wieder erwarten lag vor ihm eine Wiese mit sattem Grün mit den schönsten Blumen in den kräftigsten Farben die der junge Mann jemals gesehen hatte. Noch nie war der Enzian so tiefblau und das Edelweiß so schneeweiß. Und mitten in der Wiese graste eine Gamsherde mit schneeweißem Fell. Allen voran stand ein Bock, dessen Gewand noch viel weißer war, als das der anderen. Sein Haupt war geschmückt mit goldenem Geweih und als er es hob blickte er mit tiefschwarzen Augen in die Richtung des Jägers.



Zlatorog

Dieser sprang wieder zurück hinter den Felsvorsprung und beobachtete die Herde. Lautlos und langsam nahm er die Büchse und setzte sie an die Schulter. Seine jungen Arme zitterten als er es anlegte und seine Wange das kalte Eisen presste um zu zielen. Plötzlich hallte eine Frauenstimme aus den umliegenden Felsen. „Flieh mit deiner Herde, Zlatorog, denn dein Leben ist in Gefahr“ rief sie und wie aus dem Nichts zog eine Nebelschwade über den Jäger hinweg, schloss die Herde ein und als sie sich löste war die Herde verschwunden.


„Oh Junger Waidmann“, sprach sie weiter, unklar aus welcher Richtung die Stimme nun kam, „Du hast den Garten der Rojenice gefunden! Pflücke so viele Blumen wie du willst, trinke von der Quelle und jage welche Tiere du willst. Nur unsere weiße Herde, geführt vom Zlatorog lass stehen, denn sie ist uns heilig!“



Etwas perplex und voller Ehrfurcht legte der Jäger die Waffe ab, trank von der Quelle, pflückte einen Strauß der schönen Blumen und stieg wieder ab. Nicht weit vom Garten entfernt traf er auf einen alten Wanderer, dem er, in der Hoffnung mehr über sein Erlebnis zu erfahren, eifrig von seinen Erlebnissen berichtete.


Rojenice

„Die Rojenice…“, begann der Alte, „sind drei heiligen Frauen, die hier ihren Garten haben. Jedesmal wenn ein Kind geboren wird, steigen sie herab um, mit Kerzen in der Hand, um die Krippe mit dem schlafenden Kind zu stehen und ihm sein Schicksal zu verkünden. Jedesmal wenn jemand stirbt, lassen sie vom Triglav aus eine Sternschnuppe am Himmel erscheinen. In Ihrem Garten lebt die Herde schneeweißer Gemsen, angeführt vom prächtigsten Bock mit goldenem Gehörn. Wenn dieser verletzt wird und sein Blut auf den Boden tritt, wachsen genau auf diesem Fleck Triglavrosen. Wenn er diese frisst, wird sein prächtiger Körper komplett erneuert.“

„Und wenn man ihn mit einem Schuss erlegt?“, warf der Jäger ein. Nach wie vor war er sehr ehrfürchtig und würde es nicht wagen, ein Tier aus der Herde anzujagen. „Man sagt, demjenigen, der den Zlatorog erlegt, und mit einem seiner goldenen Hörner eine Felswand am Bogart berührt, öffnet sich dort eine Höhle mit den größten Goldschätzen.“


Als sich nach einigen Minuten des Schweigens die Wege der beiden trennten, bedankte sich der Jäger beim Wanderer und stieg hinab ins Socatal.

Als er den steinigen Weg bergab ging begann es zu dämmern und so erlegte er eine schmale Rehgeiß und pochte im Tal angekommen bei der nächsten Gaststätte an die Tür um Logie für die Nacht zu erbitten.


Er bot dem Wirt als Dank das erlegte Reh an. Dieser nahm das Angebot dankend an und zeigte dem Jäger sein Zimmer. Nachdem dieser sich gewaschen hatte, setzte er sich in die Stube und nahm sein Abendmahl zu sich. Als der junge Mann die Tochter des Wirten sah, blieb sein Herz für kurze Zeit stehen. Noch nie hatte er so eine wunderschöne Frau gesehen. Er schenkte ihr den Strauß Blumen und tanzte mit ihr. Der Wirt jedoch sah es nicht gerne, dass seine Tochter mit einem jungen Jäger ohne viel Reichtum liebäugelte und als die junge Frau den Raum verließ sagte er dem Jäger, dass er sich zurücknehmen sollte, denn die Tochter des Wirten müsse reich heiraten, um die Wirtschaft aufrecht zu erhalten.


Der Jäger verließ voller Zorn das Gastzimmer, packte seinen Rucksack und ging fluchend nach draußen, legte sich unter den nächsten Baum und versuchte ein paar Minuten Schlaf zu ergattern. Einige Minuten später sah er im Halbschlaf durch das Fenster des Lokals die junge Frau mit einem sichtlich reichen Geschäftsmann sprechen, der ihr eine dicke goldene Kette um den Hals legte.

Voll erzürnt, mit Tränen in den Augen, sprang der eifersüchtige Jäger auf und rannte zum Gasthaus, dessen Tür er mit Schwung öffnete. „Ich werde dir zeigen, welch große Schätze ich dir darbringen kann!“ rief er und ohne eine Antwort abzuwarten hetzte den steilen Hang Richtung Triglav hinauf.

Die Morgendämmerung hatte bereits Einzug gehalten als er in die Nähe des Felsvorsprunges kam, hinter dem er die Wiese entdeckt hatte. Vorsichtig und mit ruhigem Atem pirschte er sich an.


„Bleib zurück, tollkühner Jäger“, schallte es aus den Umliegenden Felswänden. „Du befindest dich nun an der Wiege des Schicksals, die sich aufgetan hat, als wir deinen Lebensweg hervorsagten. Du hast dein Schicksal selbst in der Hand und nur du kannst es zum Guten lenken! Die junge Frau liebt dich, kehre um und geh zu ihr, du musst ihr keine Schätze bringen!“


Triglavrosen (Dolomiten Fingerkraut)

Doch er hörte nicht und mit leisem Schritt näherte er sich der Herde des Zlatorog, die auf der grünen satten Weide graste. Er legte das Gewehr an und zielte unter das Schulterblatt des Bockes. Noch einmal kurz blickte er auf und drückte auf den Abzug.

Dem lauten Knall des Schusses folgte Totenstille. Der Zlatorog ging zu Boden, Blut trat aus seinem Brustkorb aus und die Triglavrosen sprossen aus dem Boden.


Der Jäger erhob sich und schritt auf den Bock zu. Plötzlich bewegte sich der Kopf des Bockes, er fraß eine der Rosen und erhob sich im gleißend goldenen Licht wieder absolut unverletzt.


„Du hast unser Vertrauen missbraucht, junger Jäger“ schallte es aus der Felswand und eine Nebelschwade kam auf, nur hüllte sie diesmal den Jäger ein, welcher fluchtartig wieder ins Tal laufen wollte, jedoch über die Felskante stolperte, in die Tiefe fiel und nie mehr gesehen war.


Der Zlatorog war über den törichten Jäger so erbost, dass er mit seinem Geweih den reichhaltigen Boden aufgrub, sodass wo einst der Garten der Rojenice war nur mehr karges Felsland ist.


Zlatorog Bronzestatue - See Bohinj


Auch wenn in dieser Version der Sage moderne Elemente wie zum Beispiel das Gewehr vorkommen, finden wir hier einen klaren Zugang zum keltischen Ursprung.


Zentrale Gestalten sind hier z.B die Rojenice, die drei heiligen Frauen, die den Garten hüten und das Schicksal hervorsagen errinern hier sehr stark an die drei Bethen Ambeth, Wilbeth und Borbeth (auch die drei seligen Madeln Barbara, Katharina und Magdalena [hier verweise ich gerne auf das Buch „Mutter Percht und Mistelzweig“ von Christian Friedrich Brunner]) sowie die drei Nornen in der nordischen Mythologie, die das Schicksal spinnen.


Auch der Nebel ist immer ein Sinnbild für den Übergang in die Anderswelt, also können wir hier davon ausgehen, dass der Zlatorog mit seiner Herde wohl einfach in die Anderswelt gereist ist um dem Jäger in erster Linie zu entkommen, sowie auch der Jäger den Übergang in die Anderswelt durch den Nebel gefunden hat.


Der Zlatorog selbst steht natürlich mit seinem Goldgeweih für die Verbindung zum Himmel. Hörner jeder Art stehen in der keltischen Mythologie sowie in vielen anderen Kulturen für die Verbindung nach Oben.


Alles in Allem ein schönes Märchen finde ich. Was sind eure Gedanken dazu?

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© 2018 by Cornelia Kaus

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